Auswärtssieg - Ando und Popp öffnen das Tor zum Halbfinale
Dank einer Leistungssteigerung in Halbzeit zwei und Toren von Kozue Ando und Alexandra Popp steht der FCR 01 Duisburg nach dem 1:3 Hinspielerfolg beim englischen Klub FC Everton Ladies vor dem am kommenden Mittwoch im Duisburger PCC Stadion auszutragenden Rückspiel bereits mit einem Bein im Halbfinale der UEFA Womens Champions League.
In der Vorschlussrunde wird es aller Wahrscheinlichkeit nach zum erneuten Aufeinandertreffen mit dem frischgebackenen Deutschen Meister und amtierenden Champions League Gewinner Turbine Potsdam kommen, denn auch das von Bernd Schröder trainierte Team verschaffte sich mit einem 0:3 bei Juvisy Essonne eine ebenso optimale Ausgangssituation.
Bereits vor Beginn der Partie stand die Frage nach der Einsatzfähigkeit mehrerer Leistungsträgerinnen im Raum, denn neben der mittlerweile auf dem Weg der Besserung befindlichen Torhüterin Ursula Holl fehlten ebenfalls Simone Laudehr, Linda Bresonik und vorallem die aktuelle Champions League Torschützenkönigin Inka Grings beim Abschlusstraining. Während sich das Fehlen Laudehrs aufgrund muskulärer Probleme lediglich als Vorsichtsmaßnahme herausstellte, waren Grings und Bresonik durch einen Infekt gesundheitlich derart angeschlagen, dass sie auf der Auswechselbank platznehmen mussten.
Desweiteren führte die für deutsche Verhältnisse recht große Spielfeldbreite dazu, dass FCR Cheftrainer Marco Ketelaer mit den beiden schnellen Offensivkräften Kozue Ando und Jennifer Oster auf der Außenbahn eine unerwartete Startelf präsentierte. Der Minutenzeiger hatte sich nach Spielbeginn, dem eine Schweigeminute als Gedenken der Naturkatastrophe in Japan ums Leben gekommenen Menschen vorausgegangen war, gerade einmal um die eigene Achse gedreht, als die ca. 20 mitgereisten Gästefans bereits den Torschrei auf den Lippen hatten.
Ausgerechnet Kozue Ando, deren Eltern ebenfalls von dem Tsunami an der japanischen Ostküste betroffen sind, knallte das Leder aus 25 Metern auf das Tor von Everton´s Keeperin Rachel Brown, doch Letztere konnte mit einer Glanzparade den frühen Rückstand verhindern. Dies sollte bis auf Weiteres die einzige erwähnenswerte Aktion beider Mannschaften gewesen sein, denn einerseits vermochten die Gastgeber die Duisburger Abwehr nicht zwingend unter Druck zu setzen, andererseits leisteten sich die Löwinnen gerade im Offensivspiel vermehrt Unkonzentriertheiten, so dass die entscheidenden Pässe in die Spitze nicht ihre Adressatinnen fanden.
Das Spiel verlagerte sich nun, abgesehen von Einzelaktionen größtenteils in das Mittelfeld, bis nach ca. einer guten halben Stunde Mandy Islacker und Alexandra Popp mit beherzten Schussversuchen England´s Nationalkeeperin erneut auf die Probe stellten. Kurz darauf dann eine weitere hochprozentige Möglichkeit für die Duisburgerinnen, als Femke Maes auf Höhe des linken Torpfostens nur haarscharf an einer Hereingabe von Jennifer Oster vorbeirutschte. Auf der gegenüberliegenden Seits wurde es wenig später ebenfalls mehrfach brenzlich, doch einerseits zeigte Christina Bellinghoven eine klasse Parade, andererseits vermochte die später ausgewechselte Toni Duggan aus bedrohlicher Situation das Spielgerät nicht richtig unter Kontrolle zu bringen. So ging es dann schiedlich, friedlich mit einem 0:0 in die Pause.
Duisburgs Coach Marco Ketelaer schien beim Pausentee die richtigen Worte gefunden zu haben, denn die Mannschaft kam mit einer wesentlich offensiveren Ausrichtung aus der Kabine. Es dauerte gerade einmal sieben Minuten, bis sich erneut Kozue Ando eines herrenlosen Balles annahm und diesen mit perfekter Schusstechnik vorbei an Freund und Feind zur wichtigen 0:1 Gästeführung im linken, unteren Eck versenkte. Natürlich hatte die japanische Nationalspielerin zu diesem Treffer auch eine Widmung parat wie sie hinterher verriet: "...für Mama und Papa!"
Der UEFA Women’s Cup Sieger von 2009 verstärkte weiter den Druck und als logisches Resultat dessen schloss Alexandra Popp wiederum nur sieben Minuten später einen unnachahmlichen Alleingang mit dem 0:2 ab. War der Drops nun gelutscht? Mitnichten, denn der Torjubel schien etwas umfangreicher ausgefallen zu sein und ehe man sich versah, bedankte sich Natasha Dowie im Gegenzug für die Duisburger Unkonzentriertheit auf ihre Art und Weise und überwand die machtlose Christina Bellinghofen aus kurzer Distanz zum 1:2 Anschlusstreffer.
Die Anhänger der Blauen schöpften wieder Hoffnung und suchten die Möglichkeit dem Spiel mit dem Treffer im Rücken eine Wende zu geben, doch mit vorgerückter Spielzeit machten sich bei den "Toffe´s" zunehmend konditionelle Defizite bemerkbar, die vermutlich daher rühren, dass die Ligasaison der neugeschaffenen, englischen WLS erst am 14. April ihren Spielbetrieb aufnimmt. Und dann war da ja noch Alexandra Popp: Der 20 jährigen Nationalstürmerin war es vorbehalten, in der 65. Spielminute mit einem erneuten Sololauf und einem platzierten Schuss ins rechte Eck die Partie endgültig für den FCR zu entscheiden.
Anschließend boten sich durch einen Kopfball von Luisa Wensing und eine Schusschance von Turid Knaak noch weitere Möglichkeiten, das Ergebnis noch positiver zu gestalten, doch bis auf einzelne Aktionen tat sich auf beiden Seiten nicht mehr sonderlich viel. Das Resultat sollte dazu führen, dass man auf Duisburger Seite beruhigt in das Rückspiel gehen kann, auch wenn man die Partie ohne die Doppeltorschützin Popp über die Bühne bringen muss. Letztere bewarb sich in einer Nebenwertung als "Schlitzohr des Tages", in dem sie sich ihre zweite Verwarnung abholte und somit völlig unbelastet in die vermutlich noch anstehenden UEFA Champions League Begegnungen gehen kann.
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