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Reine Kopfsache - Warum Japan Fußballweltmeister wird PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Freitag, den 15. Juli 2011 um 17:02 Uhr

Reine Kopfsache - Warum Japan Fußballweltmeister wirdKleine Frau ganz groß - Kozue Ando bejubelt den japanischen Finaleinzug

Japan gegen die USA, so lautet die Begegnung, in der sich beide Mannschaften im Finale der 6. FIFA Frauenfußball Weltmeisterschaft gegenüberstehen.
Die Frage nach dem Favoriten ergibt aus rein statistischer Sicht ein Ergebnis zugunsten der Vereinigten Staaten, wie es deutlicher nicht sein könnte.

Doch Obacht, warum der erste Schein nicht nur hier trügt und warum der Titel am Ende doch zum allerersten Mal an ein Team vom asiatischen Kontinent gehen gehen wird, schließt sich aus dem weiteren Verlauf des Textes.

USA-Japan und umgekehrt, eine Partie die im Frauenfußball bislang fünfundzwanzig mal auf dem Papier stand und bei der Durchsicht werden die Augen des fußball Statistikers immer größer. Fünfundzwanzig Spiele, fünfundzwanzig(!) Siege für die USA, in beiden Aufeinandertreffen im Rahmen einer Weltmeisterschaft (0:4 & 0:3, Quelle: FIFA) brachten es die Nadeshiko noch nicht einmal fertig, ein Tor zu erzielen. Die Fakten sprechen ergo eine deutliche Sprache...


Doch hier endet dann auch schon der statistische Teil, denn wie die Deutsche Nationalmannschafte letzten Samstag bitter feststellen musste, lösen sich Voraussagen und Tendenzen manchmal schneller in Rauch auf, als einem lieb ist.

Alle gemeinsam - Gegen die körperlich überlegenen Schwedinnen half die ganze Mannschaft in der DefensiveIn Wirklichkeit beginnt das Finale beim Stand von 0:0 und es ist festzustellen, dass die von Coach Norio Sasaki trainierte Elf eine Art von Fußball präsentiert, wie sie effektiver nicht sein kann.
Die Basis für dieses erfolgreiche 4-4-2 Spielsystem bildet die Laufbereitschaft, die Sasaki seinen Auserwählten eingepaukt hat. Während des Spiels ist die gesamte Mannschaft fast kontinuierlich in Bewegung, was nach 90 Minuten in einem Laufpensum von im Schnitt über 10 Kilometern pro Spielerin resultiert, das von keiner im Turnier befindlichen Mannschaft getoppt wird.

Gesteuert wird das ganze auf dem Platz von einem der Superstars der US Profiiga: Homare Sawa, die bereits ihr fünfte WM spielt und in 17 Partien bislang 7 Treffer auf ihrem Konto verbuchen konnte. Sie trägt die Hauptverantwortung für den Spielaufbau, verteilt die Bälle und sorgt dafür, dass die Japanerinnen ständig in Bewegung sind und sich daraus stets mindestens eine freie Anspielstation ergibt.

So werden Ballverluste vermieden und das Leder wird so lange in den eigenen Reihen gehalten, bis sich eine klare Tormöglichkeit ergibt. Kein Abschluss ohne gute Vorbreitung ist hier das Konzept.

Apropos Vorbereitung: Während die Deutsche Auswahl am 14. März in ihre über dreimonatige Vorbereitung startete, kämpfte man auf der anderen Seite des Globus mit den Folgen der Naturkatastrophe, die ein Tsunami drei Tage zuvor an der japanischen Ostküste ausgelöst hatte.
Neben zehntausenden Toten, Verschütteten und Vermissten litt natürlich auch die sportliche Vorbereitung der Nippon Elf. Potsdams Stürmerin Yuki Nagasato berichtete von vielen Trainingspausen, die durch Strom- und damit Flutlichtausfällen verursacht wurden. Sieht so eine optimale WM Vorbereitung aus?

Mit Sicherheit nicht, aber wie wir spätestens seit der Herren EM 1992 wissen, als Dänemark kurz vor Turnierstart für das wegen des Balkankonfliks disqualifizierten Jugoslöawien nachrückte und praktisch unvorbereitet den Europameistertitel holte, ist eine geregelte Vorbereitung offensichtlich doch nicht alles.

Das magische Quarat - Die Nadeshiko halten sich durch fleißige Laufarbeit selbst vor des Gegners Tor mehrere Optionen freiselbstErfolg also als Frage der Einstellung bzw. Kopfsache? Scheinbar, auch wenn Cheftrainer Sasaki gelegentlich recht fragwürdige Arbeitsanweisungen an seine "Mitarbeiterinnen" gibt: Im Vorrundenspiel gegen England, in dem man zur Halbzeit mit 0:1 zurücklag, ordnete er beim Pausentee Folgendes an:
Ich habe ihnen gesagt, dass sie dieses Spiel noch gewinnen können. Aber dafür müssen sie kämpfen bis zum Tod.
Ein ähnlicher Satz gesprochen von Bundestrainerin Neid würde hierzulande sicherlich blankes Entsetzen auslösen, aber gut, auch in diesem Fall heiligt der Zweck offensichtlich die Mittel.

Die Nadeshiko sind also mental optimal eingestellt, so dass man auch den körperlichen Unterschied bzw. die mangelnde Körpergröße, der in den letzten Partien bei über 10 Zentimetern lag, eindrucksvoll wettmachen konnte.
Das allerdings auch der Gegner aus Übersee mental alles andere als unbewaffnet ist, zeigt übrigens die Tatsache, dass das Team von Pia Sundhage in sämtlichen WM Partien, also auch bei der 1:2 Vorrundenniederlage gegen Schweden, immer den allerletzten Treffer setzte.

Ein weiteres Plus im Vergleich zum statistischen Aussenseiter aus Japan verbuchen die US Girls auf der Torwartposition. Während Hope Solo bei den Nordamerikanerinnen als sicherer Rückhalt gilt, besitzt Japan auf dieser Position mit der ebenfalls kleingewachsenen Nozomi Yamago eine scheinbare Schwachstelle, die gelegentlich schon mal für einen Patzer zu haben ist.

Sind die USA also in der Lage, diesen marginalen Vorteil für sich zu nutzen, kann der Weltmeister zum dritten Mal USA heißen.
Dazu muss man sich natürlich erstmal bis vor des Gegners Tor durchkämpfen und wie schwer diese Aufgabe werden kann, können die Teams aus Deutschland und Schweden mit leidvollem Kopfnicken sicherlich bestätigen. Die wieselflinken Japanerinnen wissen, dass sie unschlagbar sind, wenn sie als Kollektiv auftreten, den Ball behaupten und im entscheidenden Moment den Nadelstich setzen.

Jede Einzelne wird für ihr Ziel kämpfen, wenn man Chefcoach Norio Sasaki Glauben schenken kann, sogar bis in den Tod... 


Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 15. Juli 2011 um 23:12 Uhr
 
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